Die Sache mit der Wahlbeteiligung

Sachsen hat gewählt. Und wäre die hohe Zustimmung für radikale Protestparteien nicht schon schlimm genug, haben nicht einmal 50 Prozent der Sachsen sich an diesem demokratischen Trauerspiel beteiligt.

Nichtwähler-Grafik ARD

Nichtwähler haben in Sachsen die Mehrheit (Quelle: ARD)

Schon beginnt der Shitstorm auf die Nichtwähler und die klassischen Parteien, die es nicht mehr schaffen, die Bürger zur Wahl zu motivieren.

Nichtwähler Twitter ScreenshotNichtwähler Twitter ScreenshotSo einfach ist es aber nicht. Politikverdrossenheit hat Ursachen, die nicht nur in Individualismus, Egozentrik und desinteressiertem Wohlstand liegen. Weiterlesen

Advertisements

Was man als Bürgermeister alles gut machen kann…

Heute: Reykjavik

Vier Jahre war der Kabarettist und ehemalige Punkrocker Jón Gnarr Bürgermeister von Islands Hauptstadt Reykjavík. Trotz großer Zustimmung in der Bevölkerung und überraschender Erfolge trat er letzten Samstag nicht wieder zur Wahl an, sondern löste seine „Beste Partei“ auf.

P1130356

Islands Hauptstadt Reykjavík war in den letzten Jahren das große Vorbild aller Partizipationsanhänger und Kämpfer gegen die Politikverdrossenheit. Als wir im Studium den Wahlspot der Besti Flokkurinn (http://www.youtube.com/watch?v=jawkooeWouc) sahen und ausführlich im Modul „Politische Prozesse als Partizipationsprozesse und Moderation von Interessen“ den Wahlkampf von Jón Gnarr diskutierten, waren wir allesamt Feuer und Flamme und wollten am liebsten kollektiv nach Reykjavík auswandern. Weiterlesen

Was man als Bürgermeister so alles falsch machen kann…

Heute: Die Eiche in Nöbdenitz

Die 1000jährige Eiche in Nöbdenitz weckte das Engagement der Bürger.

Die 1000jährige Eiche in Nöbdenitz weckte das Engagement der Bürger.

Wie sagte meine Freundin L. letztens so schön: „Im Studium klang das mit der Partizipation immer klasse. Seit ich im Regionalmanagement arbeite, weiß ich, ohne Bürgerbeteiligung ist es doch einfacher. Und die lieben Bürger haben teilweise gar keinen Bock…“

Ja, viele Organisatoren von Regionalkonferenzen, runden Tische und Open-Space-Veranstaltungen in diesem Land wissen, dass in dieser Aussage zumindest ein kleiner wahrer Kern steckt.

Den Bürger und auch die Bürgerin interessiert die konkrete Ausgestaltung der Kommune und Region nur in groben Zügen. Infrastruktur, soziale Leistungen und die eigene Arbeit sollen gesichert sein. Manche wagen noch Zukunftsvisionen und große Pläne für die Stadt. Kommen aber Vorschriften und Paragraphen ins Spiel, überlässt man die Mühen der Umsetzung dann aber doch vertrauensvoll den zuständigen Behörden und den eigens dafür gewählten Volksvertretern.

Verkehrssicherungspflicht vs. Kulturgut

Bereits in der Vergangenheit musste das Naturdenkmal gestützt werden.

Bereits in der Vergangenheit musste das Naturdenkmal gestützt werden.

Das dachte sich wahrscheinlich auch Bürgermeister R. aus Nöbdenitz in Thüringen, als er kürzlich verantwortungsbewusst ein Gutachten zur Verkehrssicherungspflicht über einen maroden Baum in Nöbdenitz kommentarlos zur Kenntnis nahm und sich an die Arbeit machte, die darin enthaltene Empfehlung: „Baum fällen“ umzusetzen.

Leider handelt es sich bei diesem Baum, der da gefällt werden sollte, nicht um irgendeinen Baum, sondern um das Wahrzeichen von Nöbdenitz: die 1000-jährige Eiche – älteste Stieleiche von Europa. Drei Tage bevor Bürgermeister R. den Beschluss zum Fällen dieses Kulturerbes durch den Gemeinderat verabschieden lassen wollte, sickerte die Information zu den Bürgern von Nöbdenitz durch. Und siehe da: Man möchte bei solch grundlegenden Entscheidungen beteiligt werden. Weiterlesen