Innovative Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum

Der demografische und strukturelle Wandel trifft vor allem den ländlichen Raum. Bevölkerungsabwanderung oder Schrumpfung bedeutet dann Infrastrukturverlust oder gezielte Einsparungen in der Versorgungsstruktur. Rückbau und Schrumpfung sind die aktuellen Schlagworte im Regionalmanagement. Gleichzeitig stehen die Kommunen unter immensen Spardruck, können die Kosten für Straßen und den ÖPNV kaum noch abdecken.

Der kleinen Tante-Emma-Läden oder Konsum hat bereits vor Jahren dicht gemacht. Zum Arzt, zum einkaufen, zur Bank, zur Post, zum Amt, zur Reinigung – muss man in den nächst größeren Ort, die nächst Stadt pendeln. Gerade die heutige Generation 75+, von denen ein Großteil nie einen Führerschein hatte oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr hat, steht hier vor einer Herausforderung. Natürlich helfen Familie, Freunde und Nachbarn mit dem Auto mal aus – aber von einer eigenständigen Versorgung ist man oft weit entfernt. Denn oft ist der einzige Bus, der noch fährt der Schulbus. Morgens um 7 in die eine Richtung, nachmittags halb 3 in die andere. Für ältere Menschen ist das eine Zumutung. Schüler und Pendler haben nun mal andere Mobilitätsbedürfnisse als Senioren.

Klar, der mobilen Bäcker, Fleischer, fahrende Händler und der Bofrostmann springen in die Lücke. Aber längst haben Kommunen, Bürgerinitiativen und auch Unternehmen das Problem, aber auch Potential von innovativen Mobilitätskonzepten im ländlichen Raum erkannt. Vernetzte Mobilität, gemeinschaftliche Nutzungsformen sowie flexible Formen des ÖPNV – Ideen gibt es bereits viele.

Im Folgenden findet ihr daher eine kleine Ausfall an best-practice-Beispielen, die zeigen, dass es auch anders geht: Weiterlesen

Bürgerschaftliches Engagement als Job-Killer in Museen?

Das Schweizer Sauer Museum in Arbon hat Ende Mai den Silletto-Preis am „European Museum of the Year Award“ (EMYA) gewonnen. Das Museum am Bodensee, in dem man Oldtimer und alte Web- und Stickmaschinen bewundern kann, wurde vor allem für seine vorbildliche Freiwilligenarbeit ausgezeichnet. Denn das Haus wird ausschließlich von Amateuren, rund 60 Freiwilligen, geführt. Ist dies das Museums-Konzept der Zukunft?

Was will uns die EMYA-Kommission mit dieser Auszeichnung sagen? Steckt im Freiwilligen Engagement das Potential für zukünftige Kultur-Etat-Einsparungen? An diesem raffinierten Modell könnt ihr anderen europäischen Länder lernen, wie man Personalkosten spart und seinen Finanzhaushalt aufpolieren kann?

Nein, das hoffentlich nicht. Professionelle Museologie, Museumspädagogik und Museumsmanagement müssen auch zukünftig einen hohen Stellenwert in der Kulturarbeit haben und die Qualität in den Sammlungen sichern.

Bild zeigt: Gerichtssaal auf Burg Posterstein - ein Museum, dass seit Jahren von einem aktiven und engagierten Förderverein profitiert

Bild zeigt: Gerichtssaal auf Burg Posterstein – ein Museum, dass seit Jahren von einem aktiven und engagierten Förderverein profitiert

Vielmehr hat die EMYA hier ein Zeichen gesetzt, dass Museumsarbeit nicht nur für, sondern auch mit dem Bürger sinnvoll und erfolgreich ist. Engagierte Freiwillige verankern ein Museum im Umfeld – in der Region und in der Bevölkerung. Und durch ihre besondere intrinsische Motivation können sie manchmal höhere Berge versetzen, als es angestellte und stark beanspruchte Mitarbeiter vermögen – sei es im Fundraising, der Besucherbetreuung oder in der Veranstaltungsorganisation.

„Ohne Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement, wäre die Mehrzahl der Museen in der Vergangenheit nicht gegründet worden, vielfach heute nicht zu unterhalten und auch zukünftig in ihrer Existenz nicht gesichert.“ (Deutscher Museumsbund)

Was man als Bürgermeister alles gut machen kann…

Heute: Reykjavik

Vier Jahre war der Kabarettist und ehemalige Punkrocker Jón Gnarr Bürgermeister von Islands Hauptstadt Reykjavík. Trotz großer Zustimmung in der Bevölkerung und überraschender Erfolge trat er letzten Samstag nicht wieder zur Wahl an, sondern löste seine „Beste Partei“ auf.

P1130356

Islands Hauptstadt Reykjavík war in den letzten Jahren das große Vorbild aller Partizipationsanhänger und Kämpfer gegen die Politikverdrossenheit. Als wir im Studium den Wahlspot der Besti Flokkurinn (http://www.youtube.com/watch?v=jawkooeWouc) sahen und ausführlich im Modul „Politische Prozesse als Partizipationsprozesse und Moderation von Interessen“ den Wahlkampf von Jón Gnarr diskutierten, waren wir allesamt Feuer und Flamme und wollten am liebsten kollektiv nach Reykjavík auswandern. Weiterlesen