Als ich ein kleines Mädchen war…

Schreiben gegen Rechts

Als Anfang der 90er Jahre die letzte „Flüchtlingswelle“ über Deutschland rollte, war ich ein kleines Kind. Aber ich erinnere mich, dass unsere Mutter meine Schwester und mich ein paar mal mit ins „Asylantenheim“ nahm, weil sie dort Feste für Flüchtlingskinder organisierte. Die letzte Feier, zu der sie uns mitnahm, war eine Weihnachtsfeier. Wir packten noch am Morgen Geschenke ein, backten Kuchen und bastelten Deko. Beim Fest unterhielt sich meine ältere Schwester lange mit einem afghanischen Jungen, sie hatte einen tollen Tag, am Ende tauschten die beiden Telefonnummer aus. Ein paar Tage gingen ins Land, es wurde Weihnachten. Meine Schwester und ich waren ganz im Tannenbaumschmücken versunken, als das Telefon klingelte, meine Mutter abnahm und wir ein entschiedenes „Nein, das geht nicht. Die ist nicht da!“ von ihr hörten, kurz bevor sie auflegte. Wir mussten nicht lange bohren, man sah ihr das schlechte Gewissen sofort an. Am Telefon war der afghanische Junge gewesen, der sein weniges Taschengeld in den Münzapparat im Asylantenheim gesteckt hatte, um meiner Schwester frohe Weihnachten zu wünschen. Weiterlesen

Weihnachtszeit – Spendenzeit

Spenden

Weihnachtslieder, Nächstenliebe, warme Lichter, Gemütlichkeit. Das alles macht uns ganz rührseelig, erhöht die Bereitschaftt, unseren Reichtum zu teilen. Und das ist auch gut so! Denn übers Jahr vergessen wir dann ganz schnell wieder, wie gut es uns geht und wie wenig viele andere haben.

Aber wofür spenden? Kinderheime, Kathastrophenschutz, Saatgut, Bäume, Medikamente, Schulbesuche, Menschenrechte, das örtliche Tierheim, öffentliche Bibliotheken, Hospize, soziale Innovationen? Die Möglichkeiten sind vielfältig. Für alles ein bißchen spenden, Prioritäten setzen? Kleine Projekte bevorzugen, weil bei großen Organisationen viel Geld in der Verwaltung versickert? Oder große Vereine fördern, weil die auch mehr Reichweite und Wirkung haben und Multiplikatoren sowie Lobby für ihr Thema sind? Weiterlesen

Engagement im Museum: Bilderpaten

Vor einiger Zeit habe ich ja bereits berichtet, was Bürgerschaftliches Engagement in Museen bedeuten kann. Heute will ich euch noch einmal ein herausragendes Beispiel vorstellen:

Die Bilderpaten des Lindenau-Museums in Altenburg

Bilderpaten Lindenau-Museum Altenburg

Das Lindenau-Museum in Altenburg ist weltweit für seine Sammlung italienischer Tafelmalerei aus dem 13. bis 16. Jahrhundert bekannt. Darunter Werke von Botticelli, Lorenzetti und  Santi.

Doch was nützt dem Lindenau-Museum seine wertvolle Sammlung? Das Museum liegt tief im Osten Thüringens. Von Besucherströmmen wie sie in Berlin, Frankfurt oder München bei ähnlichen Sammlungen üblich wären, kann in Altenburg nur träumen. Der öffentliche Etat für Kunst und Kultur wird immer knapper, viele Bilder sind in einem schlechten Zustand, müssten restauriert werden.

Im Lindenau-Museum arbeitet jedoch kein fest angestellten Bilder-Restaurator und das Budget für Restaurierungen beträgt gerade mal 4000 Euro im Jahr. Ein vielfaches wäre nötig, um gerade mal einen Bruchteil der Sammlung angemessen zu erhalten.

Aus der Not heraus entstand eine innovative Idee mit weitreichenden Folgen: Weiterlesen

Innovative Mobilitätskonzepte im ländlichen Raum

Der demografische und strukturelle Wandel trifft vor allem den ländlichen Raum. Bevölkerungsabwanderung oder Schrumpfung bedeutet dann Infrastrukturverlust oder gezielte Einsparungen in der Versorgungsstruktur. Rückbau und Schrumpfung sind die aktuellen Schlagworte im Regionalmanagement. Gleichzeitig stehen die Kommunen unter immensen Spardruck, können die Kosten für Straßen und den ÖPNV kaum noch abdecken.

Der kleinen Tante-Emma-Läden oder Konsum hat bereits vor Jahren dicht gemacht. Zum Arzt, zum einkaufen, zur Bank, zur Post, zum Amt, zur Reinigung – muss man in den nächst größeren Ort, die nächst Stadt pendeln. Gerade die heutige Generation 75+, von denen ein Großteil nie einen Führerschein hatte oder aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr hat, steht hier vor einer Herausforderung. Natürlich helfen Familie, Freunde und Nachbarn mit dem Auto mal aus – aber von einer eigenständigen Versorgung ist man oft weit entfernt. Denn oft ist der einzige Bus, der noch fährt der Schulbus. Morgens um 7 in die eine Richtung, nachmittags halb 3 in die andere. Für ältere Menschen ist das eine Zumutung. Schüler und Pendler haben nun mal andere Mobilitätsbedürfnisse als Senioren.

Klar, der mobilen Bäcker, Fleischer, fahrende Händler und der Bofrostmann springen in die Lücke. Aber längst haben Kommunen, Bürgerinitiativen und auch Unternehmen das Problem, aber auch Potential von innovativen Mobilitätskonzepten im ländlichen Raum erkannt. Vernetzte Mobilität, gemeinschaftliche Nutzungsformen sowie flexible Formen des ÖPNV – Ideen gibt es bereits viele.

Im Folgenden findet ihr daher eine kleine Ausfall an best-practice-Beispielen, die zeigen, dass es auch anders geht: Weiterlesen

Bürgerschaftliches Engagement als Job-Killer in Museen?

Das Schweizer Sauer Museum in Arbon hat Ende Mai den Silletto-Preis am „European Museum of the Year Award“ (EMYA) gewonnen. Das Museum am Bodensee, in dem man Oldtimer und alte Web- und Stickmaschinen bewundern kann, wurde vor allem für seine vorbildliche Freiwilligenarbeit ausgezeichnet. Denn das Haus wird ausschließlich von Amateuren, rund 60 Freiwilligen, geführt. Ist dies das Museums-Konzept der Zukunft?

Was will uns die EMYA-Kommission mit dieser Auszeichnung sagen? Steckt im Freiwilligen Engagement das Potential für zukünftige Kultur-Etat-Einsparungen? An diesem raffinierten Modell könnt ihr anderen europäischen Länder lernen, wie man Personalkosten spart und seinen Finanzhaushalt aufpolieren kann?

Nein, das hoffentlich nicht. Professionelle Museologie, Museumspädagogik und Museumsmanagement müssen auch zukünftig einen hohen Stellenwert in der Kulturarbeit haben und die Qualität in den Sammlungen sichern.

Bild zeigt: Gerichtssaal auf Burg Posterstein - ein Museum, dass seit Jahren von einem aktiven und engagierten Förderverein profitiert

Bild zeigt: Gerichtssaal auf Burg Posterstein – ein Museum, dass seit Jahren von einem aktiven und engagierten Förderverein profitiert

Vielmehr hat die EMYA hier ein Zeichen gesetzt, dass Museumsarbeit nicht nur für, sondern auch mit dem Bürger sinnvoll und erfolgreich ist. Engagierte Freiwillige verankern ein Museum im Umfeld – in der Region und in der Bevölkerung. Und durch ihre besondere intrinsische Motivation können sie manchmal höhere Berge versetzen, als es angestellte und stark beanspruchte Mitarbeiter vermögen – sei es im Fundraising, der Besucherbetreuung oder in der Veranstaltungsorganisation.

„Ohne Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement, wäre die Mehrzahl der Museen in der Vergangenheit nicht gegründet worden, vielfach heute nicht zu unterhalten und auch zukünftig in ihrer Existenz nicht gesichert.“ (Deutscher Museumsbund)