Die Generation Y – eine Chance für mehr Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit Generation Y

„Arbeitsscheu, Angepasst, Langweilig“ – das sind die Attribute, die man normalerweise über die Generation Y liest. Aber wir jungen Leute können auch „umweltbewusst, engagiert, nachhaltig“…

Vor kurzem fiel mir ein Buch mit reißerischem Titel in die Hände: „Die heimlichen Revolutionäre – Wie die Generation Y unsere Welt verändert“ Klaus Hurrelmann, der Autor, ist nicht irgendein daher gelaufener Hobbyphilosoph, sondern ein anerkannter Soziologe, der schon seit vielen Jahren umfassende Jugendstudien in Deutschland durchführt. Status und Titel sind natürlich keine Garantie für eine spannende Lektüre, da ich aber selbst der sogenannten Generation Y angehöre, war ich doch neugierig.

Und Hurrelmann stellt tatsächlich interessante Hypothesen auf. So beschreibt er eine der größten Gruppen innerhalb der heute 15 bis 30- jährigen folgendermaßen: „pragmatische Idealistinnen und Idealisten: vor allem Frauen, die Themen wie soziales Engagement, Umweltbewusstsein und Chancengleichheit wichtig finden, für welche sie selbstbewusst kämpfen“.

Umweltschutz Generation Y

Klingt doch vielversprechend, oder?

Durch ständige Unsicherheit, Optionenvielfalt, Krisen, Umweltkatastrophen hat die Generation Y gelernt, dass es immer irgendwie weiter geht. Daher käme ihnen ein „vorgezeichnetes Leben mit starken Gewissheiten langweilig vor. Sie fangen an, den Sinn ihres Lebens auf einer anderen Ebene zu suchen als auf der Ebene der täglichen Absicherung. Beständigkeit und Nachhaltigkeit der Lebensgrundlagen werden bedeutsam. Themen der langfristigen Sicherheit wirtschaftlichen und natürlichen Ressourcen spielen eine Rolle.“

Die Gen Y will hohen Lebensgenuss und Wohlstand

Die Generation Y legt also keinen Wert mehr auf kurzfristiges Wirtschaftswachstum auf Kosten nachfolgender Generationen oder der Natur. Laut Hurrelmann ist sie aber nicht etwa überaus idealistisch und utopisch, sondern vor allem pragmatisch und egoistisch. Sie weiß, dass es keine entspannte Zukunft für sie gibt, wenn heute alle Ressourcen ausgebeutet, Kriege angezettelt werden und das Finanzsystem außer Kontrolle gerät.

soziales Engagement Generation Y

Deswegen setzt sich die Generation Y kontinuierlich für eine ausgeglichene Work-Life-Balance und bessere Arbeitsbedingungen ein. Teilen und Tauschen, Dualwirtschaft, soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz – das sind Themen, welche die Generation Y umtreibt.

Doch wird das reichen, um die Gesellschaft tatsächlich nachhaltig zu verändern?

Die Generation Y hat sich den aktuellen Bedingungen jedoch größtenteils angepasst. Sie will im bestehenden System erfolgreich und zufrieden leben, kein neues erschaffen. Ihre Bestrebungen, die Gesellschaft zu verändern, dienen primär der individuellen Bedürfnisbefriedigung und Nutzenabwägung. Umweltprobleme, soziale Ungerechtigkeit, die Flüchtlingskrise und ähnliches – das sind keine Fragen, die sich auf der Individualebene lösen lassen.

Gibt es da also tatsächlich die Chance auf eine Revolution und nachhaltige Veränderung durch die Generation Y – oder sind das alles nur naive Hoffnungen?

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8 Gedanken zu “Die Generation Y – eine Chance für mehr Nachhaltigkeit?

  1. Hm…es ist schwer, eine generelle Aussage über diese Generation zu treffen. Ich habe es in meinem Blog zwar ebenfalls schon getan, aber das liegt mitunter daran, dass die negativen Erscheinungen nunmal prägender wirken. Ein Problem, das ich sehe, ist, dass sich viele unserer Generation „Nachhaltigkeit“ auf die Fahnen geschrieben haben, aber jegliche Konsequenz vermissen lassen. Bestes Beispiel: Artenschutz. Es gibt Programme, die sich dem Erhalt der Diversität von Pflanzen verpflichtet haben. Jeder hippe „Go vegan!“-Aktivist wird jubilieren. Die selben Bestrebungen gibt es seit langer Zeit auch bei bedrohten Tierarten. Jetzt erzähl mal einem der erwähnten Aktivisten, dass Zoos ein notwendiges und momentan alternativloses Mittel unserer Zeit ist, um Arten für die Zukunft zu erhalten. Als Antwort käme wohl, dass alle Zoos geschlossen gehören und die Tiere in die Freiheit entlassen werden sollte. Schöner Gedanken. Weshalb sind doch gleich so viele Arten vom Aussterben bedroht? Wäre die Wildbahn so schön und friedlich, wie es gern dargestellt wird, gäbe es den zu aktuell zu verzeichnenden Rückgang der Populationen nicht. Stichwort: Palmöl und Orang Utans.
    Es ist leicht, gegen etwas zu sein und dadurch die Revolution zu beschwören. Schwieriger wird es anzuerkennen, dass die Realität heutzutage Kompromisse erfordert. Und das betrifft alle Bereiche des Lebens: Schule, Ausbildung, Studium, Arbeit, Umgang mit Menschen, Pflanzen und eben auch Tiere.

    PS: Tut mir leid für den langen Kommentar. Ist ein komplexes Thema (Artenschutz, Realität und die aktuelle Generation) und darüber lässt sich vortrefflich schreiben und reden. 🙂

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    • Danke für deinen langen und interessanten Kommentar. Du hast dich ja auch schon länger mit dem Thema beschäftigt und natürlich Recht. Man kann niemals eine ganze Generation über einen Kamm scheren. Hurrelmann unterteilt sie in seinem Buch in 4 Gruppen (ich fasse mal mit meinen Worten zusammen): die Machtgeilen Selbstüberschätzer, die engagierten Nachhaltigkeitsutopisten, die Möchtegern-Ergolgreichen aber Abgehängten aufgrund falschem sozialen Hintergrund und die Bildungsverlierer, die sich eigentlich schon aufgegeben haben. Die letzten beiden Gruppen haben vor allem mit sich zu tun, sind über ihr eigenes Facebook-Profil hinaus nicht besonders medienkompetent und haben auch kein Interesse politisch oder gesellschaftlich irgendwas beizutragen. Umso lauter werden die Botschaften der ersten beiden Gruppen vernommen, die wiederum ihre Meinung täglich in Blogs, auf Twitter, Facebook usw. verkünden. Natürlich verändern sie damit nicht die Welt, aber vielleicht ist das auch nur aktuell so, weil die ältere Generation eben noch so offline ist. Und ja, Parteien und die aktuelle Tagepolitik ist der Generation Y relativ schnuppe. Aber sie engagiert sich projektbezogen und lokal- was man ja irgendwie verstehen kann, denn da sieht man wenigstens unmittelbar Resultate seiner Bemühungen. Und selbst die Bestrebungen der machtgeilen Egoisten kann ich zumindest nicht rundum verurteilen. Ja, sie fordern bessere Arbeitsbedingungen, weniger Arbeit und mehr Freizeit, ein besseres Gehalt obwohl sie noch nicht viel geleistet haben. Aber immerhin wollen sie sich nicht ohnmächtig in die Selbstausbeutung des Kapitalismus fügen und blind ins Burnout laufen, so wie es die Generationen vor ihnen getan hat.

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    • Sorry, das war jetzt mehr eine Antwort zu deinem Gen Y Blogpost als zu deinem Kommentar über Artenvielfalt. Ich glaube ja, diese ganzen Vegan-, Achtsamkeits-, DIY-, Slow-, usw.-Trends sind vor allem Ausdruck von Überforderung und Burnout-Prävention. Kaum jemand will tatsächlich etwas am System ändern, stattdessen werden nur einzelne Symptome bekämpft. Aber das meintest du wohl mit dieser naiven Sichtweise, sich der Realität nicht stellen zu wollen. Ja, insofern gehöre ich wohl dazu. Oder das ist ein Privileg der Jugend… Also doch Utopistische Revoluzer (zumindest im Kopf)?

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  2. Die wenigsten von uns können auf einmal und überall ganz konsequent sein – und wenn das der Anspruch wäre, würden doch alle gleich aufgeben. Ich freue mich über jeden, der auch nur ansatzweise was am Status Quo in Richtung Nachhaltigkeit verändern will. Und wenn das ganze „nur“ ein Trend oder gar Mainstream ist, dann finde ich das toll, schließlich wollen / müssen wir doch in diese Richtung gehen. Übrigens hab ich die Erfahrung gemacht, dass die Generation Y oder wie auch immer man sie schimpft, europaweit recht einheitlich existiert. Vielleicht ist ja doch eine Veränderung in Sicht!

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  3. Hat dies auf Verrücktes Huhn – Neues aus dem wahren Leben rebloggt und kommentierte:

    Antonia erörtert im Blog „Förderband Nachhaltigkeit“ das Buch „Die heimlichen Revolutionäre – Wie die Generation Y unsere Welt verändert“ von Klaus Hurrelmann. Die heute 15 bis 30jährigen bezeichnet er als Generation Y und analysiert Tendenzen in Richtung Nachhatligkeit. Gibt es durch diese Generation Chancen auf eine gesellschaftliche Revolution oder sind es doch nur naive Hoffnungen?

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  4. Die Frage, die sich mir aufdrängt, ist oft ganz einfach, ob das System in den kritisierten Bereichen tatsächlich so fehlerhaft ist. In mancher Hinsicht trifft das zu, aber viele Kritikpunkte wirken beinahe wie die Abwälzung eigener Defizite auf die nächsterreichbare Institution. Die letztes Jahr in Seminaren der Germanistik in Düsseldorf abgeschaffte Anwesenheitspflicht ist so ein Punkt. Mich hat sie nie eingeengt und in meiner „Freiheit“ beraubt und auch ich bin neben dem Studium arbeiten gewesen.
    Es ist in Ordnung, Revolutionen zu fordern. Nur muss die Intention nachvollziehbar sein.

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  5. Pingback: Die Generation Y – eine Chance für mehr Nachhaltigkeit? | Verrücktes Huhn - Neues aus dem wahren Leben

  6. Pingback: Rückblick auf den #EiNaB-Oktober: Upcycling & Anleitungen | Verrücktes Huhn - Neues aus dem wahren Leben

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