Ich packe meinen Schuhkarton und lege hinein…

Darf man Sachen verschnken, die man selbst nicht haben will?

Als pädagogische Maßnahme zum Thema Nächstenliebe und Barmherzigkeit kam ich vor ein paar Wochen auf die Idee, zusammen mit meinem Sohn dieses Jahr eines dieser Weihnachtsgeschenke für arme Kinder zu packen.

Ganz in meiner Minimalistische Phase stellte ich mir das so vor: Der Zwerg gibt 1-2 Spielsachen ab, mit denen er ohnehin nicht spielt, wir malen noch ein hübsches Bild dazu und machen uns Gedanken darüber, wie es anderen Kindern auf der Welt wohl geht.

Als ich mich intensiver mit dem Thema beschäftigte, musste ich feststellen, dass dieses Vorhaben einige Herausforderungen für mich bereit hält.

Welches sind seriöse und sinnvolle Projekte?

„Weihnachten im Schuhkarton“ z.B. stellt hohe Anforderungen an die Pakete. Die gespendeten Spielsachen sollen NEU sein. Außerdem soll das Weihnachtsgeschenk „nützliche“ Dinge wie z.B. Zahnpasta und Schreibhefte enthalten, die man also auch kaufen muss. Und dann soll man noch 6 Euro für die Logistik bezahlen. Das war mir zu fordernd und wenig nachhaltig, auch wenn ich nachvollziehen kann, dass so die Qualität des Projekts sichergestellt wird.

Bei vielen anderen Projekten kann man sein Weihnachtspaket nur in Großstädten abgeben – und auch einen Fahrtweg von 25km finde ich für so eine kleine Weihnachtsspende nicht angemessen genug und nachhaltig. Grundsätzlich sollen die Päckchen in schönes buntes (hochgiftiges?) Geschenkpapier gepackt werden und optisch ordentlich was hermachen.

Das Projekt www.geschenk-mit-herz.de fand ich dann doch zufriedenstellend. Es kommt ohne zusätzliche Geldspende und stattdessen mit Ehrenamtlichen Helfern aus. Gebrauchtes, gut erhaltenes Spielzeug darf in die Päckchen und Sammelstellen gibt es in jedem bayrischen Kaff.

Also sammelten wir gleich darauf los, was der Inhalt des caritativen Weihnachtsgeschenks sein könnte.

Selbstlosigkeit sieht anders aus

Heute sollte nun die große Verpackungsaktion starten. Leider schaue ich in unser Päckchen und frage mich: Ist das Schenken dieser Dinge ethisch vertretbar?

Unser Weihnachtspäckchen enthält:

  • einen NIE benutzten, hochwertigen Stoffhund
  • ein NIE benutzter kleiner Rechen und 2 Förmchen aus Plastik für den Sandkasten
  • eine gelbe Badeente aus Gummi
  • ein Frosch-Schnippspiel, ORGINALVERPACKT – wo bunte Plastikfrösche in einen bunten Plasti-Brunnen hüpfen müssen
  • ein Duschgel&Shampoo für Kinder (NEU), ohne Konservierungs- und Farbstoffe – aber mit Parfum
  • eine Zahnbürste (ORGINALVERPACKT)
  • eine selbstgestrickte Mütze
  • 2 Lollis

Auf den ersten Blick klingt das ziemlich viel und es sind kindgerechte Spielsachen und Utensilien im Paket. Aber bis auf die Zahnbürste und die Mütze sind das alles Dinge, von denen ich froh bin, dass sie weg kommen, weil ich sie nicht ideal für mein Kind halte.

Ist das nicht grausam? Sollen doch andere Kinder mit dem chinesischen Plastikkram spielen?!

Darf man nicht nur Sachen verschenken, die man selbst auch benutzen würde?

Abgesehen von den möglichen Schadstoffen im Plastikspielzeug – was ist mit der Müllfrage? Irgendwann mag selbst das ärmste Kind mit dem Kram nicht mehr spielen. Wird dieser dann fachgerecht entsorgt und recycelt oder landet das Ganze in irgendeinem Dritte-Welt-Fluss und wir haben einen mächtigen Beitrag zur Umweltverschmutzung geleistet?

Ich überlege, ob unser Weihnachtspäckchen nicht besser im Müllcontainer als auf einem Weihnachtskonvoi aufgehoben ist… Mit einer Geldspende wäre den Kindern mehr geholfen.

Advertisements

10 Gedanken zu “Ich packe meinen Schuhkarton und lege hinein…

  1. ja, da sagst du was! die sache mit dem vielen plastik bereitet mir auch kopfzerbrechen. z.b. esse ich vegan und versuche auf leder bei schuhen und taschen zu verzichten um tierleid zu vermeiden. aber dann sind diese dinge eben aus kunsstoff hergestellt, der auch wieder in die umwelt gelangt und tiere vergiftet.
    ich denke daher, dass es in erster linie wahrscheinlich schwerer wiegt, dass du einem kind freude bereitest!
    leider gibt es geschenke-mit-herz nicht in österreich. daher habe ich bei weihnachten-im-schuhkarton mitgemacht.
    liebe grüße!
    tanja

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Tanja. Mit diesem Thema habe ich mich auch schon ausgiebig beschäftigt. Und ich finde es bewundernswert wenn die Menschen wirklich konsequent Vegan leben, nur Umweltfreundlich ist das dann leider nicht immer wie du selbst festgestellt hast.

      Tofukram ist ja leider auch immer in Plastik verpackt (kaufe ich selbst aber auch in Maßen)

      Ich denke da muss man wie immer einen Mittelweg finden.
      Kommt ja immer darauf an WIE man konsumiert und WAS, egal für welchen Lebensstil man sich entschieden hat.

      Ich persönlich lebe Vegetarisch seit 7 oder 8 Jahren (Man weiß es nicht genau) und ich achte immer extremer auf Bioqualität, so stelle ich sicher dass die Tiere größtenteils Artgerecht gehalten werden, zumindest wenn ich auf die richtigen Siegel achte.

      Die Getreidemilch bekommt man ja leider nur in diesem dämlichen Tetra Pak. Dasselbe gilt auch für alle anderen Veganen Produkte. Ich kaufe zB Alpro Soya Cuisine zum kochen, weil ich nicht immer so Kalorienreich (Mit der Sahne aus der Flasche) kochen möchte, obwohl das viieeel besser schmeckt , die anderen haltbaren Sahne im Tetra Pak, sind aber meiner Meinung nach wieder nicht hochwertig genug. ZB Haltbare Sahne von Gut&Günstig. Die sind sicherlich auch wieder von traurigen Kühen. Deshalb bisher immer Alpro.

      Manchmal mache ich mir aber auch einfach Hafersahne selbst.

      Milch, Joghurt etc. kann aber alles in Gläsern kaufen (Bio!), das fällt leider bei der Veganen Variante weg. Vegane Joghurts schmecken mir aber auch nicht so gut.

      Ich schrecke ebenfalls davor zurück Leder zu kaufen, wenn es NEU ist, wenn ich aber einen guten gebrauchten Lederschuh bekommen kann oder eine Tasche etc. dann ist das für mich durchaus vertretbar.

      Generell kaufe ich inzwischen fast ausschließlich gebrauchte Kleidung/Schuhe/Möbel.
      Auch als Veganer muss man ja nicht Zwangsläufig neues Plastik kaufen, sondern dann auch eher zu den gebrauchten Dinge greifen. Das mache ich auch bei Dingen die ich aus Plastik benötige, aber auf keinen Fall Neu kaufen möchte. ZB ein Dörrautomat oder so etwas, was man nicht ganz ohne Plastik bekommt.

      Alles in allem denke ich findet schon jeder seinen Weg 🙂

      Liebste Grüße.

      Gefällt 1 Person

  2. Ich würde mich vor allem erst mal erkundigen, wo die Päckchen hingeschickt werden. In vielen Kulturen wissen die Kinder gar nicht, was sie mit solchen Sachen überhaupt anfangen sollen. Da macht es schon mehr Sinn Gebrauchsgüter zu schicken, z.B. gute Stifte oder Kleidung.
    Ich erinnere mich daran, dass ich für die Kinder einer armen Familie in Kairo mal Kleidung und (neue) Spielsachen mitgebracht hatte – die Kinder fanden die Kleidung ganz toll und trugen alles kreuz und quer durcheinander, aber die Spielsachen habe ich sie nie benutzen sehen.
    Seitdem habe ich meine Mitbringsel auf Kleidung, Stifte und etwas Modeschmuck für die Mädchen beschränkt.
    LG
    St

    Gefällt 3 Personen

    • Die Geschenke aus Deutschland kommen laut „Geschenk mit Herz“ nach Osteuropa, vor allem in die Ukraine und nach Albanien, die Moldau oder den Kosovo. Die geschenke für Kinder aus Südamerika und Afrika werden vor Ort mit Spendengeldern gekauft und verpackt, weil die Logistik ansonsten unverhältnismäßig und nicht nachhaltig wäre.
      Dennoch hast du Recht. Ich habe nicht darüber nachgedacht, ob ein Kind im Kosovo etwas mit Sandspielzeug oder einer Badeente anfangen kann… Wir haben das Paket nun noch etwas überarbeitet und mehr „nützliche“ Dinge hinein getan.

      Gefällt 1 Person

  3. Ich glaube, die Frage ist hier nicht, ob die Beschenkten das Geschenk auch gebrauchen können, sondern das Grundproblem ist doch: Kann ich anderen Dinge schenken, die ich selbst nicht benutzen würde? Die Antwort ist für mich ganz klar: Ja. Wenn ich z. B. konventionelle oder unvegane Schokolade geschenkt bekomme, verschenke ich die weiter, falls den Beschenkten Bio oder vegan egal ist. Die Alternative wäre doch nur, die Schoki wegzuwerfen.
    Und genauso verhält es sich mit Plastikförmchen und Gummiente. Was würde denn passieren, wenn du das Spielzeug NICHT weiterverschenkst? Das Kind, für das der Karton bestimmt ist, würde entweder kein Spielzeug oder neu produziertes bekommen, während das vorhandene Zeug sinnlos vernichtet werden würde. Wie schnipseltippse schon sagt: Da wiegt es sicher schwerer, dem Kind eine Freude zu machen. Würde das Kind freiwillig auf das Geschenk verzichten, wenn es um die Umweltproblematik wüsste?
    Der Ausweg aus diesem Dilemma ist einfach nicht mehr solche Spielsachen zu kaufen oder sich selbst schenken zu lassen. Warum hast du überhaupt solche Dinge? Übrig von früher?

    Gefällt 1 Person

    • Ja, das ist eine gute Frage. tatsächlich sind diese Dinge allesamt Geschenke von meinen Eltern oder Schwiegereltern, die uns eigentlich gut genug kennen müssten (teilweise sogar meinen Blog lesen), aber dennoch immer wieder solches Zeug anschleppen, weil sie meinem Sohn eine Freude machen wollen. Aber irgendwie liegt das auch an mir, dass sie es nicht begfreifen. Ich bin einfach so höflich erzogen und bring es nicht übers Herz (vor allem zu meinen Schwiegereltern) zu sagen: Hört mal, wir wollen das nicht!
      Das Weihnachtspäckchen haben wir noch ein wenig überarbeitet, ein paar Sachen getauscht und werden es nun doch abschicken. Danke für Deine Gedanken dazu!!

      Gefällt 1 Person

  4. Grundsätzlich bin ich ähnlicher Meinung wie Micha – es gibt viele Dinge, die ich nicht haben will aber andere, die anders denken, schon. (Umgekehrt ist es ja auch – ich mag Dinge, die andere nicht mögen und habe deshalb am Flohmarkt ganz viel für mich gefunden)

    ABER – es ist die Frage ob derjenige, der es bei so einer „Schuhkartonaktion“ bekommt auch wirklich will, weil sich derjenige das Geschenk nicht aussuchen kann.

    Daher ist mein Weg, Dinge „ordnungsgemäß“ zu verschenken der Kostnixladen oder das Verschenkeportal im Internet, weil sich da der Beschenkte das Geschenk selbst aussucht und ich daher weiß, dass es wirklich verwendet wird.

    lg
    Maria

    Gefällt 4 Personen

  5. Hi Tanja!
    Das Thema ist ja schon was älter und doch wieder nicht. Wir gehen ja wieder auf Weihnachten zu und dadurch wird es wieder aktuell.

    Also durchaus korrekt, sich da mal Gedanken drüber zu machen.
    Das Thema finde ich ohnehin wichtig. Egal ob es nun auf Weihnachtsgeschenke für bedürftige bezogen ist oder generell darauf Dinge zu verschenken die man selbst nicht mehr besitzen möchte.

    Ich sehe das auch so wie Maria und Micha, wenn das Kind wohl sonst am Ende etwas bekommt das neu produziert wurde ist das irgendwie wieder doppelt schlimm.

    Aber da fängt das Thema auch erst an.

    Klar, das Risiko besteht, dass das Kind überhaupt nichts mit dem Geschenk anfangen kann, vielleicht wird es die Sachen dann auch wieder weiter verschenken…

    Aber die Frage ist ja auch ob man die Sachen einfach nur loswerden will, oder wirklich einem Kind eine Freude machen möchte. Wenn man das wirklich möchte, könnte man sich ja auch vor Ort einem Kind , sozusagen als Pate annehmen und dann speziell auf die Bedürfnisse eingehen. Das ist natürlich wieder ein höherer Aufwand und auch wieder eine ganz andere Sparte.

    Hier geht es wohl mehr darum, nichts unnötig weg zu schmeissen und zu schauen ob sich noch jemand darüber freut.

    Ich persönlich würde da nur mitmachen wenn ich ganz sicher bin, dass die Dinge benötigt werden. Dieselbe Problematik haben wir ja momentan auch mit den Flüchtlingen. Viele misten alte Klamotten aus denke sie würden den Flüchtlingen etwas gutes tun, aber das meiste wird überhaupt nicht benötigt. Viele sehen das als Anlass ihre alten Klamotten loszuwerden ohne zu bedenken, dass die Helfer vor Ort dann in dem ganzen „quatsch“ ertrinken.

    Im Zweifel immer auf den Trödelmarkt stellen und die alten Sachen verkaufen.

    Jeder ist ja für sich selbst verantwortlich und mehr als die Menschen informieren kann man nicht. Und wenn noch jemand Freude damit hat ist es doch toll. Die Gesundheit ist ja nur ein Aspekt der Geschichte, ein zweiter ist es ja auch was Mutter Natur dazu sagt wenn alles auf ihrem Rücken ausgetragen wird, daher lieber verkaufen als weg zu schmeissen!

    Es gibt doch so viel Kram auf der Erde, man kann vermutlich für immer alles hin und her tauschen/verkaufen, ohne das jemals wieder etwas neues produziert werden muss. Zumindest stell ich mir das häufig so vor.

    So ist das ja mit vielen anderen Dingen auch. Ich verschenke zB auch einen alten Kunststoff Pfannenwender an jemanden, wo ich weiß dass es ihn nicht stört wenn er aus Plastik ist (Er/Sie ist sich über die Risiken bewusst), ich persönlich mich aber dagegen entschieden habe übermäßig viele Phtalate in meinem Essen zu haben.
    So muss ich das Teil wenigstens nicht weg schmeissen.

    Ich entschuldige mich für diesen Roman 🙂
    Liebe Grüße.

    Gefällt mir

    • Danke für diese ausführlichen und guten Gedanken. Ja, wer ein paar mal mit Kinderspielzeug und Kinderkleidung auf dem Flohmarkt stand, weiß, dass den meisten Kram leider keiner mehr will. Da sollte man sich gut überlegen, was man jemanden Zwangs-vermacht. Trotzdem werden wir in diesem Jahr wohl noch mal ein Geschenk fertig machen, inzwischen wissen wir eher, was gebraucht wird. Man muss sich nur an die Empfehlungen halten. Mein Mann zB hatte letztens auch seinen Kleiderschrank für die Flüchtlinge durchforstet, weigert sich aber hartnäckig Unterhosen und Socken her zu geben, obwohl das angeblich am dringendsten gebraucht wird. Er hält das für unwürdig, den Menschen seine Gebrauchten Schlüppi weiter zu geben. Ich kann die Bedenken verstehen, aber er kauft ja deswegen trotzdem keine neuen, extra für die Flüchtlinge. Und dann doch lieber gebrauchte Unterhosen anhaben als gar keine, oder?

      Gefällt 1 Person

  6. Auf jeden Fall. Und wenn die noch in Ordnung sind. Wir sind ja in der Position uns neue kaufen zu können und würden daher vermutlich „niemals“ gebrauchte kaufen. Aber die Menschen haben ja nichts und wenn es wirklich so dringend gebraucht wird ….

    PS: Ich meinte natürlich „Hallo ANTONIA“ Ich war in Gedanken noch bei dem Post davor, der an Tanja ging. Tschuldige..

    🙂

    Gefällt 1 Person

Kommentieren

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s