Minimalismus und Nachhaltigkeit vs. alte Gewohnheiten und Egoismus

Zur Zeit lese ich eine ganze Menge interessante Blogs, die sich mit Minimalismus, Einfachheit und Zero-Waste-Home beschäftigen. Um nur einige Herausragende zu nennen:

Kunterbunt

Widerstandistzweckmaeßig

Frau Ding Dongs Leben

Einfach Bewusst

Das färbt auf mein Denken und Handeln ganz schön ab. Bei vielen alltäglichen Dingen wird mir bewusst, dass ich im Grunde meines Herzen schon ein wenig Minimalist bin. Auf der anderen Seite sind da alte Gewohnheiten und Wesenszüge in mir, die nachhaltiges und minismalitisches Handeln blockieren, sich über „neue“ Dinge freuen und ständig nach Möglichkeiten suchen, dass eigene Zu Hause gemütliche rund schöner zu machen.

Ein paar Alltagsbeispiele:

– Handtücher oder Bettwäsche habe ich eigentlich noch nie gekauft, sondern nutze ausschließlich Geschenke oder Erbstücke (von denen genug im Schrank vorhanden sind). Wenn dann doch mal, wie letztens, ein Kissenbezug reißt und nicht mehr nutzbar ist, tut mir das schon ziemlich Leid. Dann kommen mir Ideen wie, dass ich gern mal wieder „passende“ Bettwäsche im Doppelpack hätte, weil es einfach „schöner“, „einheitlicher“ aussieht, wenn beide Decken und Kissen nebeneinander die gleiche Farbe haben.Minimalismus

Minimalismus SpielzeugEigentlich finde ich, dass mein Sohn so wenig Spielzeug wie möglich haben sollte. Das fördert die Kreativität und es gibt ohnehin genug Dinge (Pappkartons, Töpfe und Kochlöffel, Klopapierrollen, usw.) mit denen er sich stundenlang beschäftigen kann und die nicht ausdrücklich nur als Spielzeug verwendet werden müssen. Anderseits gibt es so viel schönes Spielzeug (Holztiere, Kaufmannsladen-Zubehör, Lego), was er liebt und ich bin ständig in Versuchung, ihm davon zu kaufen (weil ich auch gern mitspiele).

– Thema Geschenke. Eigentlich weiß ich genau, dass meine Eltern oder Großeltern nichts brauchen und ihnen fällt auch nie was ein, was sie sich wünschen. Trotzdem will ich am Geburtstag nicht mit leeren Händen da stehn (obwohl das eigentliche Geschenk für sie ohnehin die pure Anwesenheit der Gäste ist). Was tun? Krampfhaft suche ich nach immatriellen Geschenken (ein Wochenende hier, ein gemeinsamer Ausflug dorthin, usw.), aber langsam gehen mir die Einfälle aus. Gerne würde ich den Geburtstagkuchen als Geschenk backen, weiß jedoch mit welcher Freude sich meine Mutter oder Großmutter gerade in diese Vorbereitungen stürzen.Nachhaltigkeit Kuchen

– Mein Mann und ich lieben unser Wasserbett. Letztens musste das Wasser mal wieder gewechselt werden (auch, weil wir das Bett an eine andere Stelle umrücken wollten). 2,5 Stunden liefen Pumpe (Bohrmaschinenbetrieben) und Wasserhahn, dass sich Strom- und Wasserzähle nur so vor Freude überschlugen. Mir wurde bei dieser Tortur wieder klar, wie wenig nachhaltig so ein Wasserbett ist.

– Prinzipiell möchte ich Flugreisen und Kurztripps zu vermeiden. Auf der anderen Seite sind da meine Schwester und ihre Familie in Kopenhagen, die ich viel zu selten sehe und versuche, mind 2 mal im Jahr zu besuchen. Für meinen kleinen Sohn ist diese Reise in der Regel zu stressig und anstrengend (wenn wir nicht gleich einen ganzen Urlaub daraus machen), sodass ich häufig alleine für 3-4 Tage nach Kopenhagen FLIEGE.

Nachhaltigkeit Flugticket

Das ist nur die persönliche Ebene. Auf der Gesellschafts-Ebene gibt es ähnliche Diskrepanzen:

– Wir alle wissen, dass unser westlicher Lebensstil die Umwelt belastet und so nicht auf die ganze Welt übertragbar ist. Um unser Gewissen zu beruhigen, trennen wir Müll, sparen Wasser, kaufen Energiesparlampen. Aber wirkliche Einschränkungen (weniger Mobilität, weniger Konsum) nimmt kaum jemand in Kauf.

– Der Biohandel boomt. Wir kaufen Natur-Kautschuk-Gummistiefel und Biowoll-Pullover statt im Sekond Hand Shop nach Produkten zu suchen, für die bereits Rohstoffe verbraucht wurden, eigene Klamotten zu upcyceln oder einfach mal zu reflektieren, brauche ich wirklich 25 Oberteile?

– Spätestens bei der Familiengründung fangen viele Menschen an, ihren Lebensstil bewussten und ökologischer zu gestalten. Kinder sollen gesünder und nah an der Natur aufwachsen. Dafür kaufen wir Häuser im Grünen – kutschieren unsere Kinder dann aber jeden Tag Kilometerweit in die beste Schule in der Stadt.

Kennt ihr solche Dilemmata? Wie geht ihr damit um?

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14 Gedanken zu “Minimalismus und Nachhaltigkeit vs. alte Gewohnheiten und Egoismus

  1. Ja, Du hast Recht. Ich stehe da irgendwie auch noch am Anfang einer langen Reise, so mein Gefühl. Aber man hat halt so hohe Wertvorstellungen und Ansprüche an sich, da kommt einem plötzlich alles wie ein „fauler Kompromiss“ vor.

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  2. Das kenne ich nur zu gut. Man muss irgendwo einen Kompromiss finden, dort, wo man selbst noch glücklich ist (wenn ich meine Familie und Freunde regelmäßig sehen kann). Und sich genau überlegen, ob einen dieser oder jener Kauf jetzt glücklicher macht und wie sehr man etwas nun wirklich braucht. Das Geschenkdilemma bleibt. Lass uns Marmelade kochen oder ein Duschgel mischen.

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    • Das mit dem Duschgel ist gar keine schlechte Idee. Ich werd mal dazu recherchieren. Ich hab auch schon gedacht, vielleicht kauf ich einfach einen Gutschein vom neuen Konsum in Nöbdenitz. Hast du davon gehört? Dort soll es regionale Waren geben!

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      • Was? – nee, schreib doch mal einen Blogpost über den harten Kampf und die Geschichte des Landes. Es gibt da auf der Website in der Chronik einen geschichtlichen Abriss von Marlis. Den Gutschein fände ich klasse!

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  3. Ich werde mir deine Liste zum Anlass nehmen, selbst konkrete Beispiele aufzustellen. Wenn man die Konflikte und Dilemmate nur allgemein erwähnt, bleiben sie wahrscheinlich sehr unplastisch… Danke für die Anregung. 🙂

    In meinen Augen besteht das gesamte Leben aus Kompromissen. Auch finde ich es besser, einen größeren Kompromiss einzugehen (z.B. Lego – ein tolles Beispiel!!) als wieder aufzugeben. Dauerhaft weniger ökologischen Schaden anzurichten ist besser, als kurzfristig keinen und dann wieder großen Schaden zu verursachen, weil man es einfach nicht durchhalten kann. Das hat für mich auch weniger mit persönlicher Schwäche zu tun (wie man vielleicht denken könnte), sondern damit, dass wir alle „nur“ Menschen sind und uns wohlfühlen wollen. Die wenigsten möchten aus der Gesellschaft aussteigen – auch soziale Normen (z.B. die Einheitlichkeit von Textilien, auch ein schönes Beispiel) sind deshalb „wichtig“ und fallen ins Gewicht.

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    • Danke für diesen lieben und klugen Kommentar! Überhaupt beruhigt es mich, dass die meisten von euch scheinbar in ähnlichen Konflikten leben und gelernt haben, irgendwie damit umzugehen – ohne dadurch grundsätzlich einem nachhaltigeren, ökologischen Lebensstil abzuschwören.
      Ihr habt Recht: Man kann und muss nicht allein die Welt retten, aber jeder kann in seinem Rahmen etwas dafür tun, dass sich was ändert.

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  4. Irgendwer macht mir auch immer mal einen Strich durch die ökologisch korrekte Rechnung. (Eigentlich tagtäglich … hm) Aber ich finde, wir machen das schon ganz gut, allein dadurch, dass wir die Augen aufmachen und unsere Umwelt aufmerksam betrachten, wahrnehmen und mit ihr achtsamer umgehen. Und die Liste dessen, was wir im Kleinen verändern ist ganz schön lang,oder?! Think positive. 😉 lg

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  5. Interessante Gedanken! Aber egal was wir machen, es wird immer ein Kompromiss sein. Besser, wenn die Kompromisse dann mit Gedanken über Nachhaltigkeit und Ökologische Gesichtspunkte getroffen werden anstatt nur aus persönlichen Interessen heraus! Und ich denke, wir alle schließen schon wirklich gute Kompromisse, mit denen wir doch recht zufrieden sein können! Weiter so, solange du die deiner Kompromisse bewusst bist, hörst du auch nicht auf, immer noch bessere Lösungen zu finden 🙂 viele Grüße von der Zwergenmama

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  6. Hihi,
    dass mit den Handtüchern (und Geschirr) kenne ich auch. Ebenfalls nur Erbstücke im Haus, und ich wünsche mir alle vier Wochen eine komplett zusammenpassende Neuausstattung. Gibt es dann nicht, aber wer weiß, ob ich nicht doch irgendwann mal schwach werde…
    Liebe Grüße Nanne

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  7. Pingback: Nachhaltigkeit im Alltag | Förderband Nachhaltigkeit

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