Gesunde Ernährung in der KITA

Die Verpflegung in Deutschlands Kitas war in den letzten Wochen immer wieder negativ in den Schlagzeilen. Ausgelöst durch eine Studie der BertelsmannStiftung (Is(s)t KITA gut?) entbrannte eine Debatte über gute Verpflegung in Deutschlands Betreuungseinrichtungen.

Die Hauptkritik lautet:

  • zu viel Fleisch
  • zu wenig Obst und Gemüse
  • zu selten Fisch
  • keine adäquate Küchenausstattung
  • es fehlt an hauswirtschaftlicher Fachkompetenz
  • keine einheitlichen Qualitätsstandards

Als Mutter eines Kleinkindes, welches 5 Tage pro Woche in der Kita isst, konnte ich die Kritik nicht so richtig nachvollziehen. Ich bin rundum zufrieden mit unserer Kita-Versorgung.

Best-Practice

Morgens sind bei uns die Kinder aktiv an der Essenszubereitung beteiligt. Gemeinsam mit den Erziehern wird Brot gebacken, Gemüse gewaschen und das Essen vorbereitet, was dann während der Vormittags-Spielzeit auf dem Herd vor sich hin köchelt. Die Küche befindet sich direkt im Gruppenraum, sodass die Kinder den Prozess jederzeit mitverfolgen und begleiten können. Die Zutaten werden im benachbarten Biohofladen frisch gekauft. Fleisch gibt es 1 mal pro Woche. Das Essensgeld ist nicht höher als in anderen Kitas, im Gegenteil.

Für mich ist das der Idealzustand. Im Gespräch mit befreundeten Eltern wurde mir allerdings schnell klar, dass es sich hier um eine Ausnahme handelt und so anscheinend auch nur bei freien Trägern umsetzbar ist.

gesunde Ernährung in der KITA

gesunde Ernährung in der KITA

Realtität im KITA-Alltag

Nur in rund 30 Prozent der deutschen Kitas werden die Mahlzeiten Ort hergestellt. Alle anderen arbeiten mit professionellen Verpflegungssystemen (Tiefkühlkost, Cook-and-Chill, Warmverpflegung). Ich stelle die Qualität solcher Systeme hier keinesfalls grundsätzlich in Frage. Wo 2 Personen 20 Kinder betreuen, fehlen ganz klar die Rahmenbedingungen um nebenbei noch mit den Kindern das Mittagessen zuzubereiten. Außerdem haben Erzieher nun mal eine pädagogische Ausbildung und keine hauswirtschaftliche –und nicht jeder Erzieher möchte und sollte für die Essenszubereitung verantwortlich sein.

Ein grundsätzliches Problem sind die uneinheitlichen Vorschriften, die den Trägern gemacht werden. In einigen Bundesländern dürfen die Erzieher den Kindern keine mitgebrachten Speisen geben, nicht mal Fertiggläschen aufwärmen. In anderen Kitas sind die Eltern wiederum verpflichtet, einmal pro Woche Obst für alle Kinder der Gruppe mitzubringen. Woanders wiederum ist es üblich, dass die Kinder zum Essen abgeholt werden und nur zu Hause essen. In einigen Betreuungseinrichtungen übernehmen lokale Partyservice oder Metzgereien die Verpflegung (kindgerecht sieht anders aus).

Hygiene- und Qualitätsstandards sind wichtig. Aber sie beschneiden auch Kreativität und einfache Lösungen. Stattdessen wäre mehr und geeignetes Personal sinnvoll, um Kindern den Prozess der Nahrungszubereitung und das Genießen von Lebensmitteln wieder näher zu bringen.

In unserer Krippe sind 2 Erzieher und 1 Hauswirtschaftlerin für 11 Kinder zuständig. Mit diesem Personalschlüssel ist die Herausforderung „Gesunde Ernährung“ gut zu bewältigen.

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3 Gedanken zu “Gesunde Ernährung in der KITA

  1. Das ist ein so wichtiges und zugleich sehr schwieriges Thema. Hier in den neuen Bundesländern waren nach der Wende eigentlich alle Strukturen gegeben, um die hausinterne Essensversorgung in den Kitas fortzuführen. Stattdessen kündigte man aus Kostengründen den Hauswirtschafterinnen. Essen wird nun per Behältern gegen 9.30 Uhr in die Kita geliefert.
    Es gab während unserer Kita-Laufbahn (2 Kinder und nun schon 10 Jahre Kita-Erfahrung) bereits mehrere Diskussionen um einen Anbieterwechsel – letztendlich entschied immer der günstige Preis. Da kann man dann auch nichts frisches, hochwertiges, biologisch angebautes erwarten.
    Hier mitten im grünen Herz Thüringens muss man anscheinend eine freie Kita oder eine freie Schule wählen, um zu einem Pool von Träger und Elternschaft zu gehören, dem das Thema auch etwas Wert ist. Der breiten Masse scheint es egal zu sein. Schade, denn auch Ernährung ist ein wichtiger Aspekt der Erziehung – in Richtung Gesundheit und in Richtung Naturschutz.
    Danke für deinen super Beitrag, Antonia 🙂
    LG Maja

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  2. Das ist so eine Farce – als frisch gebackene Eltern bekommt man noch Infomaterial darüber wie wichtig gesunde Ernährung für die Entwicklung des Kindes ist und dass man den Gemüsebrei am besten selbst und bio zubereitet. Und in der Mehrheit der Kitas entscheidet dann der Preis?! Hier mitten in Kopenhagen ist die Nachfrage nach bio so hoch, dass es in unserer Kita und in den meisten anderen eine eigene Küche mit Koch gibt. Hab ich auch aus anderen dänischen Städten so gehört. Die meisten passen sich auch an Einwanderer an und servieren alles hallal und ohne Schwein, damit es gar nicht erst Kinder gibt, die nicht mitessen dürfen. Da muss der Staat für einheitliche Standards sorgen in Deutschland. Hab ich heute nicht erst gelesen, dass Familienministerin Schleswig ein Qualitätsgesetz für die Kitas auf den Weg bringen will? DER SPIEGEL kritisierte aber bereits, dass Mindeststandards dabei nicht vorgesehen waren.

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  3. Danke für eure Rückmeldungen und Erfahrungsberichte. Aus meinen Gesprächen über das Thema gewinne ich den Eindruck, dass Verpflegung eigentlich in jeder KITA anders funktioniert und das jede Einrichtung für sich selbst auskämpfen muss. Klar gibt es nicht den One-best-way. Aber es sollte Mindestvorgaben geben, damit am Ende eben nicht NUR der Preis entscheidet.

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