Stimmenfang: Wofür spenden Politiker?

Kürzlich las ich auf Facebook, Katja Kipping hätte für den Erhalt der 1000-jährigen Eiche in Nöbdenitz gespendet.

Screenshot der Facebook-Meldung

Screenshot der Facebook-Meldung

Einerseits eine noble Geste, dachte ich. Die Nöbdenitzer sind froh über jeden Cent und jedes Engagement, was ihren Kulturgut- und mittlerweile auch Kult-Baum betrifft. Auf der anderen Seite war ich skeptisch und dachte: ist das nicht auch irgendwo Stimmenfang? In der Ostthüringer Gemeinde sind die Linken hoch im Kurs, eine kleine Spende zu Gunsten eines populärem Gemeindeprojektes ist dort nicht nur gut gemeint und willkommen, sondern auch Wahlkampf. Zwar ist der Bürger so leicht nun auch wieder nicht käuflich, doch jegliches Engagement, und sei es finanzieller Art, führt in der Regel auch zu Sympathie und Anerkennung.

Schnell stellte sich heraus, dass es noch mehr Katja Kippings auf dieser Welt gibt und es sich bei der edlen Spenderin nicht um die Bundesvorsitzende der Linken handelte, sondern um eine engagierte Naturschützerin aus Gerstenberg.

Dennoch lies mich das Thema nicht los und ich möchte meine Recherchen zum Thema „Wofür spenden Politiker und warum?“ mit euch teilen.

Keine Transparenz bei Politikerspenden

Zunächst einmal: Mögen sich Politiker auch sonst gern in ein günstiges Licht rücken – darüber wofür und wie viel sie spenden, schweigen sich die meisten aus. Im Internet muss man schon lange und gezielt suchen, um dazu konkretere Informationen zu finden. Spendenaffären, Spendenaufrufe und Spendenkonten verlängern und verstopfen die Trefferlisten in den Suchmaschinen.

Einzig transparent zeigt sich tatsächlich – hin und wieder- nur die Linke. So kann man zum Beispiel erfahren, dass die damalige Parteichefin der PDS, Gabi Zimmer, 700 Euro für die Opfer der Flutkatastrophe in Deutschland 2002 auf ein Spendenkonto überwies. Politiker anderer Parteien verkünden- vor allem bei Katastrophenspenden, die kollektive Betroffenheit auslösen- zwar gern, dass sie Beträge in z.B. vier-stelliger Höhe gespendet haben, konkreter wird es aber kaum. Zudem kann man Informationen zu Spenden – abgesehen von Prominenten-Special-Quizshows, in denen Politiker den Gewinn an gemeinnützige Projekte weitergeben – höchstens an den Ehrenämtern der entsprechenden Person ablesen.

Schlussfolgern lässt sich aus meiner Recherche, dass Spenden anscheinend eher Privatsache sind und sich finanzielle Unterstützung als Wahlkampf- und Stimmenfang-tool bisher nicht etabliert hat. Schnell keimt hier der Verdacht eines Bestechungsversuches – so löblich die Idee hinter der Spende auch sein mag. Zudem herrscht in Deutschland eine ganz andere Spendenkultur als in anderen Ländern. Hier zu Lande kann sich niemand damit profilieren, wofür er noch alles Geld übrig hat. Anstatt stolz auf sein Engagement zu sein, versteckt sich der Deutsche lieber vor der Neid-Gesellschaft und tut Gutes im Geheimen.

Gut so oder nicht – You decide!

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Ein Gedanke zu “Stimmenfang: Wofür spenden Politiker?

  1. Das ist wirklich ein beachtliches kulturelles Phänomen in Deutschland. Wenn man für etwas spendet, redet man lieber nicht drüber, nicht, dass die Bekannten denken, man habe die Taschen voller Geld oder noch schlimmer, man schmeißt es aus dem Fenster statt lieber zu sparen (wenn man offensichtlich nicht so reich ist, z.B.). An der deutschen Spendenkultur scheitern ja auch viele Startups, die in den USA längst einen Mäzen gefunden hätten…

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